Gedächtnistraining leicht gemacht
Kaum hat das Semester begonnen, denkt man schon so langsam aber sicher an die bevorstehenden Klausuren. Der Umfang und die Fülle an Stoff macht mir jetzt schon bange. Zum einen ist da der wahnsinnige Zeitaufwand, um den Stoff ins Köpfchen zu bekommen und das Problem den Stoff auch möglichst lange zu behalten. Wem es genauso geht, für den dürfte der folgende Bericht von großem Interesse sein.
Es ist Dienstagnachmittag 16 Uhr. Ich sitze im Audimax der FHTW und bin gespannt, was mich erwartet. Ich habe von der Veranstaltung namens „ Mega Memory“ gehört, die unter den Stichwörtern „ brillantes Gedächtnis für jedermann; freie Rede ohne Spickzettel; wie man Lernstoffe ins Langzeitgedächtnis schiebt“ und ähnliches angepriesen wurde. Nicht zuletzt wurde mein Interesse geweckt, da Europas bekanntester Gedächtnistrainer Gregor Staub eine kostenfreie Vorlesung geben sollte.
Punkt 16.15 Uhr stürmt ein kleiner, energiegeladener Mann in den brechend vollen Audimax, springt auf die Bühne und fängt gleich mit schweizerischen Akzent an, den Studenten das menschliche Gehirn zu erklären und warum es so schwierig ist Gelerntes langfristig abzuspeichern. Er stellt uns kurz seine 1990 erfundene MEGA MEMORY Technik vor, die auf der altgriechischen MNEMO-Technik basiert und mit der beide Hirnhälften beim Lernen verknüpft werden, was sonst beim „herkömmlichen Lernen“ nicht der Fall ist. Er verspricht, dass nach der Veranstaltung jeder im Saal Sitzende in der Lage sein wird, sich 20 Stichwörter zu merken, die 10 letzten amerikanischen Präsidenten in genauer Zeitabfolge zu merken und vieles mehr und all dies ohne jegliche Probleme. Nebenbei erwähnt er, dass seine Tochter ohne große Mühe 120 englische Vokabeln in der Stunde lernt, was den letzten Studenten im Saal überzeugt der Vorlesung gespannt zu lauschen.
Ohne Sprechpause rast er in den praktischen Teil und fordert uns auf ihm 20 Stichwörter zuzurufen, die er nummeriert an die Tafel schreiben lässt. Sobald dies geschehen ist, klappt er die Tafel weg und lässt sich wahllos Nummern zurufen, die er mit den entsprechenden Stichwörtern füllt. Er schafft es fast ohne Probleme und wir sind zum ersten Mal richtig beeindruckt. Nun erklärt er, wie er das gemacht hat. Der Trick klingt simpel. Er fokussiert und denkt in Bildern. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in so genannten Briefkästen, die Staub am eigenen Körper und später im Raum anlegt und mit Assoziationen füllt. So bestimmt er mit uns 9 festgelegte Punkte am Körper, u.a. Fuß, Knie, Hüfte, Po und packt an jedem Punkt den zu merkenden Begriff. So schiebt er unter den Fuß das heiße Kuchenblech, klemmt sich zwischen die Knie die Bilanzanalyse und über seine Brust läuft die Zitronensäure. Und tatsächlich, nach ein paarmal Wiederholen sitzen die Wörter fest verankert im Langzeitgedächtnis. Da Herr Staub immer wieder zum Mitmachen auffordert, indem er die Studenten mit ihrem Nachbarn die diversen Übungen wiederholen lässt und dazu aufruft bei Gelingen ihrem Nachbarn herzlich zu gratulieren und sich bei Fehlern bloß nicht zu ärgern (die Erfolgsquote liegt bei 80 % nach wenigen Minuten mit dem zuvor erlernten Merkmuster.) schafft er eine lockere Atmosphäre und ich habe wirklich keinen der insgesamt ca. 250 Studenten gesehen, der nicht mitgemacht hat. Weiter ging es mit festgelegten Gegenständen im Raum, die zu den letzten 10 amerikanischen Präsidenten in Reihenfolge zusammengefügt wurden und absurden Geschichten, die z.Bsp. alle Staaten Südamerikas enthielten und durch ihre Absurdheit im Gedächtnis blieben. Zuletzt war das schnelle, effiziente Namenlernen dran. 20 mutige Studenten gingen auf die Bühne, deren Namen jeweils von Staub mit Assoziationen belegt wurde, woraus sich ohne Probleme der Name ergab. So sang Corinna mit ihrer Lockenpracht im Chor und ein Student namens Egon, sprang bildlich das Ego aus dem Hemd. So lächerlich es klingt, aber die Namen und die Reihenfolge der Studis, die auf der Bühne standen habe ich heute noch im Kopf. Kurzum, nach 3 Stunden meiner bis jetzt wohl mit interessantesten Vorlesung, die ich bisher hatte, waren alle überzeugt, dass es sich lohnt sein Gedächtnis zu schulen und dabei noch Spaß zu haben. Nach Staub braucht man an die 30 Übungsstunden um die von ihm ausgearbeite Memory - Methode inne zu haben und ohne Probleme sie in allen Bereichen des Lebens anzuwenden.
So wurden in der Pause seine CDs angepriesen, die - man glaubt es kaum – weg gingen wie warme Semmeln. Ich halte nichts von dubiosen Verkaufsveranstaltungen, aber auch ich war so begeistert von seiner Memory Methode und erhoffe mir erhebliche Vorteile davon, so dass sich 10 Studenten, mich eingerechnet, zusammen schlossen und wir uns die CDs
„freundschaftlich teilen“ werden. Ob der Lernerfolg eintritt werde ich Euch demnächst berichten.
In der Vorlesung konnte man nicht nur lernen, wie man sein Gedächtnis aufpäppelt, sondern auch, wie man eine ideale Verkaufstrategie hat: Man tritt an die Leute direkt ran, hat mit Wortwitz und „Mitmachcharme“ eine Menge Spass, und den hat Herr Staub sichtlich und verdient sich nebenbei eine goldene Nase. Überrings, der Mann ist reich...Aber das sei nur nebenbei gesagt.
Eine Überlegung wert ist es, die Memory Methode an die Schulen heranzutragen und damit die PISA Studie zu verbessern. Herr Staub ist in seiner Mission auch sehr oft an Schulen unterwegs, wo Schüler als auch Lehrer begeistert sind; Grundschüler u.a. nach 4 Stunden Training in der Lage sind, sich 40stellige (!) Zahlreihen zu merken und die Lehrer dankbar sein Konzept für die Zukunft aufnehmen.
Wie gesagt, ich werde an diesem interessanten Thema dranbleiben und Euch hoffentlich bald sagen können, ob sich durch die „CD-Lernmethode“ (direkte 30 Stunden – Kurse bei Staub wären unbezahlbar) mein Gedächtnis unglaubliche verbessert.
Wer Interesse zum MEGA MEMORY hat kann sich gerne
beim Webmaster unter Kontakt melden und erhält dort weitere Informationen.
Autor: Christine Werner
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